Palaeoxyris Friessi – Hai-Eikapsel

(ein 235 Millionen Jahre altes Hai-Ei)


Sammler-Vita:

Gerald Frieß sammelt seit über 40 Jahren Fossilien. Bereits in früher Kindheit konnte er bei Familienausflügen auf die Schwäbische Alb die ersten Fossilienfunde im Schwäbischen Jura machen. In den ersten Sammlerjahren wurde dann erst einmal „alles und querbeet“ gesammelt. Danach fokussierte er seine Sammelleidenschaft auf die lokale Trias (Muschelkalk und Keuper) des Heilbronner und des Hohenloher Kreises. In den letzten Jahren erfolgte schließlich eine Spezialisierung auf die Fossiliensuche im Paläozoikum (Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon). Sammelgebiete waren/sind Tschechien, Schweden, das Sauerland, Geschiebesammeln an der Ostsee, das Lahntal und die Eifel. Hierbei liegt sein Sammelschwerpunkt auf den Trilobiten, die ihn auf Grund ihrer wunderschönen Arten- und Formenvielfalt sehr begeistern.       

Über die langen Jahre meiner HMF Vereinsmitgliedschaft möchte ich besonders die sehr engen Freundschaften zu einigen Vereinsmitgliedern herausstellen. Dies waren vor allem die leider bereits verstorbenen HMF-Mitglieder Hans Jakob, Jupp Wientjens und speziell Peter Silberhorn. Für die gemeinsame Sammelleidenschaft und wundervollen Erinnerungen an viele tolle gemeinsame Exkursionen bin ich den genannten Sammlerfreunden sehr sehr dankbar.

Gerald Frieß vor der Vitrine „Im Fokus“
mit seiner Hai-Eikapsel (September 2011)
im Naturkundemuseum Stuttgart


Das Fossil:

 „Palaeoxyris Friessi“, benannt nach dem Finder des Fossils Gerald Frieß/Großbottwar. Wissenschaftlich beschrieben und publiziert durch Dr. Ronald Böttcher SMNS Stuttgart in 10/2010. Der Holotypus liegt als Positiv/Negativ-Split vor, eine der Platten (SMNS 95447) wurde dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart SMNS gestiftet, die Gegenplatte befindet sich in der Sammlung Frieß

LINK zur wissenschaftlichen Beschreibung: http://www.palaeodiversity.org/pdf/03/Palaeodiversity_Bd3_Boettcher.pdf


Funddatum / Fundort:

01.11.2009 / Steinbruch Bopp in Ilsfeld
Hinweis: Die Fundschicht ist seit ca. 2014 abgetragen und ist nicht mehr zugänglich

Formation:

Mittlere Trias / Unterkeuper / Erfurt Formation / Ladinium 
Schwemmfazies bzw. Delta-Ablagerungen mit wechselnden Sand- und Tonschichten

Begleitfauna:

Paläobotanische Flora (Equisetites, Neocalamites, u.a.), Brackwassermuschel „Unionites“, Conchostraken (Palaeestheria), gelegentlich Koprolithen und selten Fischschuppen


Die Fundumstände:

In den Jahren 2008 bis 2012 waren die Fundmöglichkeiten im Unterkeuper des Stbr. Bopp in Ilsfeld  außergewöhnlich gut und es konnte eine reiche paläobotanische Flora geborgen werden. Funde von Tierfossilien waren eher die Ausnahme, so dass der Fund der Hai-Eikapsel sehr überraschend und völlig unerwartet für ihn kam. Die ersten 15 Minuten nach dem Auffinden des Fossils dienten ihm somit erst einmal zum „beruhigen“ des Herzschlags auf Normalpuls. Was er gefunden hatte war ihm auf jeden Fall sofort klar, eine Hai-Eikapsel. Solche Hai-Eikapseln, in der Fachsprache als „Palaeoxyris“ genannt, sind in der Paläontologie generell nichts außergewöhnliches. Bekannt sind diese u.a. aus dem Karbon oder dem Rhät-Lias, jedoch mit sehr viel geringeren Abmessungen.
Was die Ilsfelder Hai-Eikaspel somit besonders macht ist deren Länge von ca. 28cm! Damit ist sie die bislang weltweit längste bekannte Palaeoxyris Hai-Eikapsel.
Erzeuger dieser Eikapsel könnten hybodontide Haie wie „Polyacrodus polycyphus“ oder „Polyacrodus keuperianus“ sein, deren Länge mit 2 bis 2,5m angenommen wird. Diese Haie lebten vom Devon bis zur späten Kreidezeit und sind danach ausgestorben.

Mein Dank: Dass dieser Fund etwas Besonderes ist war mir sofort bewusst. Nach einer kurzen Literaturrecherche war es für mich auch selbstverständlich, diesen Fund gegenüber dem damaligen Fisch-Experten am Stuttgarter SMNS Herrn Dr. Böttcher bekannt zu geben. Wenig überraschend dann auch der Hinweis von Herrn Dr. Böttcher, dass ein so außergewöhnlicher Fund idealerweise in eine öffentliche Sammlung übergehen sollte. Nach weiteren Gesprächen wurde dann eine der Fundstückplatten an das SMNS gestiftet, verbunden mit der Bedingung, dass der Fund wissenschaftlich beschrieben werden muss. Daraus resultierte dann final der zu Ehren des Finders benannte Fund „Paläoxyris friessi“. Hierfür und auch für die sehr gute Zusammenarbeit gilt mein besonderer Dank Herrn Dr. Böttcher SMNS. Dieser Vorgang soll ebenfalls zur Ermunterung für weitere Sammler dienen, „besondere“ Fossilienfunde der Wissenschaft zu melden und diese nicht im „Dornröschenschlaf“ im heimischen Sammlungskeller schlummern zu lassen.


Die Hai-Eikapsel Stand mehrfach im Fokus des Naturkundemuseums
in Stuttgart (SMNS) „Museum am Löwentor“

Im September/Oktober 2011 war sie im Forum des Museums in der Vitrine „Im Fokus“ ausgestellt

Sie wurde im Jahresbericht 2010/2011 erwähnt

Als Weihnachtsgrußkarte im Jahr 2011


Mit freundlicher Genehmigung von Gerald Frieß (Bild und Text)